derstandard.at vom 16.07.2012


Die Arbeiterkammer ortet in Österreich 30.000 Scheinselbstständige, von frei erwählt und echter Selbstständigkeit weit entfernt

Wien - Sie arbeiten teils seit mehr als zehn Jahren als Abfallberater für die Stadt Wien. Alle Aufträge kamen über die Magistratsabteilung 48, sie bestreiten damit ihren Lebensunterhalt. Seit Juli ist damit jedoch Schluss: 26 Beschäftigte wurden von ihren Terminen in Schulklassen wie in Gewerbebetrieben abgezogen. Weil sie es wagten, erzählen sie, sich gegen ihre zunehmend prekären Beschäftigungsverhältnisse in offenen Briefen zu wehren.
Sie arbeiteten auf Basis von Werkverträgen, die heuer auf lediglich drei Monate befristet wurden. Zehn Beratern wurden zuletzt zwar Anstellungen angeboten, allerdings ohne dabei Ausbildung oder Vordienstzeiten anzurechnen. Die übrigen fühlen sich von der MA48 entsorgt und über Jahre um ordentliche Dienstverhältnisse gebracht, resümiert eine Betroffene im Gespräch mit dem Standard.
Alice Kundtner ist laufend mit Fällen wie diesen konfrontiert. Von einer frei erwählten, echten Selbstständigkeit sei vielfach keine Rede mehr, sagt die Leiterin der Abteilung Soziales in der Arbeiterkammer. Sie spricht von rund 30.000 Scheinselbstständigen in Österreich: Menschen, die ein Recht auf Anstellungen haben, von ihren Arbeitgebern jedoch zumeist aus Kostengründen ins Unternehmertum gedrängt werden - mit all den damit verbundenen Rahmenbedingungen: von unsicherem Einkommen über selbst abzuführende Sozialversicherungsbeiträge bis hin zu geringerem Wochengeld in der Karenz und hohen Selbstbehalten bei Arztbesuchen. mehr....

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